A. Schloss
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Das alte Schloss nähe Kathragrub

Bis in das 13. Jahrhundert bestanden Burgen oft nur aus einem Holzturm, der auf einem aufgeschütteten Hügel errichtet wurde. Eine solche Turmhügelburg, auch Motte genannt, stand südwestlich von Kathragrub, wo die Gemarkung Knellendorf endet. Zieht man auf der Karte Linien zwischen der Heunischenburg und Haig und zwischen Kaltenbrunn und Kathragrub, so kreuzen sich beide fast exakt am Ort dieser Fliehburg. Mit 15 Metern Durchmesser und 4 Metern Höhe eine kleine Motte. Ein breiter, tiefer Graben, in dem einst das Wasser des Erlesbachs floss, umzieht den runden Hügel. Rapunzel ließ da sicherlich nicht ihr Haar vom Holzturm hinunter hängen. Vielleicht suchten die Bewohner Knellendorfs vor vielen Hundert Jahren hier Schutz vor Raubrittern.

Die Begriffe Schloss und Burg hatten ursprünglich eine ähnliche Bedeutung, unabhängig von der Größe einer Anlage. Die abgelegene Kathragruber Fliehburg wurde als altes Schloss bezeichnet. Zwischen dem Rotschreuther Berg und dem Diemitzberg thront der Alte Schlossberg. Urkundliche Belege fehlen. Um sich ein besseres Bild von solchen Turmhügeln machen zu können, wurde im holsteinischen Lütjenburg (lütjen, lütten = klein) ein Holzturm mit Wassergraben nachgebaut. So ähnlich könnte es also ausgesehen haben.

Foto Lütjenburg: Rainer Baumann

Fotos Altes Schloss: Wolfgang Baumann

 

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Luetj.bg
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Als altes Schloss wurden früher auch Fliehburgen bezeichnet, was mit den heutigen Schlössern nichts gemein hat. So wundert es nicht, dass die Knellendorfer Altvorderen erzählten, das alte Schloss sei versunken. So ein Holzturm, wie auf dem Foto Lütjenburg, mag zwar ein paar hundert Jahre vielleicht halten, aber irgendwann werden die Balken morsch, und der Holzturm stürzt ein und rutscht in den Wassergraben und versinkt.
Das heute in zwei getrennten Hauptbedeutungen gebrauchte Substantiv ist von schlie￟en abgeleitet.
Mhd., ahd. sloz̧ bedeutete zunächst» ‹Tür›verschluss, Riegel«, seit dem 13. Jh. auch »feste Burg, Kastell«.
In der Bedeutung» Burg« kann» Schloss« sowohl passivisch als»Verschlossenes« gefasst werden (entsprechend Klause) wie aktivisch als »Sperrbau« (an einer Straße oder Talenge).
Jedoch sind diese Vorstellungen verblasst, seit »Schloss« in der Renaissancezeit zur Bezeichnung prunkvoller Wohnbauten der Fürsten und des Adels wurde und sich von »Burg, Feste, Festung« bedeutungsmäßig absetzte.

Auch bei Karl May in Winnetou II wird eine Talenge als "Schloss"*, Burg und Festung bezeichnet, da die einzige Öffnung mit Felsbrocken verschlossen werden konnte.
Karl May, Winnetou II, Kapitel 7
*Die Schüsse wiederholten sich, und es blieb uns kein Zweifel, daß die zurückgebliebenen Jäger in einem Kampfe mit den Indianern sich befanden. Hier war Hilfe notwendig, und trotz der Unwegsamkeit des Gehölzes gelang es uns doch in kurzem, das Tal zu erreichen, in welches der Ausgang unseres ›Schlosses‹ mündete. Wir hielten auf den Punkt zu, welcher diesem Ausgang gegenüberlag, und wo ich die Spuren des Indianers entdeckt hatte. Jedenfalls lagen die Rothäute im Saume des Waldes verborgen und blockierten von da aus das Wassertor. Wir mußten ihnen also in den Rücken kommen, wenn wir einen Erfolg erzielen wollten.

 

Albrecht Dürer, Weiherhaus (1497)