Stadtteil der Stadt Kronach · Oberfranken · Bayern

Knellendorf

Am Fuße des Kienbergs, an der rauschenden Haßlach

50°14′N  ·  11°20′O  ·  314 m ü. NHN

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Luftaufnahme Knellendorf © Dr. Otmar Fugmann

Knellendorf – ein stilles Dorf zwischen Wald, Wasser und Geschichte.

Kaum drei Kilometer nördlich der „Perle des Frankenwaldes" – Kronach – liegt Knellendorf. Zu beiden Seiten der rauschenden Haßlach breitet sich das Dörfchen aus, eingerahmt vom Kienberg im Nordwesten, dem Bierberg im Osten und dem Tänngisberg im Südwesten.

1348
Erste Erwähnung
476 m
Kienberg
1648
Friedenslinde gepflanzt
1906
Feuerwehr gegründet

Knellendorfer Veranstaltungen

Alle aktuellen Veranstaltungen – automatisch aktuell, direkt aus der Vereinstabelle.

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Die Vereine des Dorfes

Was ein Dorf lebendig hält, sind seine Menschen und ihre Gemeinschaft.

🌸 Maibaum-Aufstellung 🌳 Lindenfest 🙏 Bittgang nach Kathragrub 🚜 Bulldog-Treffen (2-jährig) 🎡 Kirchweih

Seit dem Mittelalter

Die Geschichte des Ortes

Aus einer Waldrodung im Tal des Knello entstand ein Dorf, das Jahrhunderte überdauerte – durch Kriege, Hochwasser und den Wandel der Zeit.

📜
Eine kurze Geschichte unseres Dorfes
Von der Waldrodung zur Dorfgemeinschaft – durch Kriege, Wiederaufbau und Traditionen, die uns bis heute verbinden.
1256
Die Pfarrei Kronach, zu deren Sprengel Knellendorf gehörte, wurde durch Bischof Heinrich von Bamberg dem Domkapitel inkorporiert.
1323
Im Urbar A des Staatsarchives Bamberg wird „Knelenrod" erstmals namentlich erwähnt.
1348
Der Ort führt den Namen „Knellenrod bey der Haßlach". Ortsnamen auf –rode oder –reuth zeugen von mühsamer Waldrodung.
1388
Urkundliche Erstnennung: Das Kloster Langheim verkauft das Teuschnitzer Eigen an Bischof Lamprecht – darunter zwei Güter zu Knellenrod.
1553
Im Markgrafenkrieg wird Knellendorf ein Raub der Flammen.
1632
Im Dreißigjährigen Krieg zieht Herzog Johann Casimir von Coburg mit 3.500 Mann durch. Beim Abzug steckt er das Dorf in Brand.
1648
Als Zeichen des Friedens wird die Friedenslinde auf dem Dorfanger gepflanzt – heute Wahrzeichen und Naturdenkmal.
1906
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Knellendorf, heute eine von zwölf Stadtteilwehren der Stadt Kronach.
1923
Bau der Schule in Knellendorf.
1971
Im Zuge der bayerischen Gebietsreform wird die Gemeinde Knellendorf am 1. Juli nach Kronach eingegliedert.
1980
Gründung des Sportvereins Knellendorf e.V.
1986
Bau und Einweihung des Sportheimes in Knellendorf.
2027
Neubau der Brücke über der Haßlach in Knellendorf.

Orte & Sehenswürdigkeiten

Das Dorf und seine unmittelbare Umgebung bieten Geschichte, Natur und Stille in ungewöhnlicher Dichte.

🌳
Die Friedenslinde

1648 als Friedenslinde nach dem Dreißigjährigen Krieg gepflanzt. Das Naturdenkmal am Dorfanger ist das Wahrzeichen von Knellendorf und Mittelpunkt des jährlichen Lindenfestes.

🏰
Das Alte Schloss

Eine mittelalterliche Turmhügelburg (Motte) südwestlich von Kathragrub. 15 m Durchmesser, 4 m Höhe – umgeben von einem einstigen Wassergraben des Erlesbachs.

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🌊
Die Haßlach

Der Fluss prägte Knellendorf über Jahrhunderte: als Lebensader für Mühlen und Flößer, als Brandhilfe, als Hochwasserteufel (1942 und 1967).

Wicklein-Kapelle

Die 1912 von Maria Wicklein erbaute Marienkapelle bei Kathragrub – 2012 generalsaniert. Ziel des alljährlichen Bittganges im Mai.

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Marter St. Georg

Eine Wegkapelle aus dem 17. Jahrhundert an der Straße nach Kathragrub – Rast- und Andachtspunkt für Wanderer.

⛪🌲
Kathragrub

Ein stiller Weiler im Tal, erstmals 1339 urkundlich erwähnt. Heute unbewohnt – mit Marienkapelle, altem Bauernhaus und einem Weg zum Alten Schloss.

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⛰️
Kienberg (476 m)

Der markante Kienberg im Nordwesten. Name von ahd. kien (Fichte). Das Tal an seinem Fuß, der Geiersgraben, führt nach Kathragrub und zum Alten Schlossberg.

„Die alte Haßlach, sie kann böse werden / Und ihre Launen brachten viel Verdruss, / Wie mancher Steg in sechs mal 100 Jahren / Zum Opfer fielen den Wassern stets zum Schluss."
— Gedicht zur Einweihung der neuen Haßlachbrücke, 1954

Geschichtliches & Brauchtum

Artikel, Urkunden und Überlieferungen rund um Knellendorf und seine Ortsteile.

⛪🌲
Kathragrub
Ein stiller Weiler mit fast 700-jähriger Geschichte – von der mittelalterlichen Urkunde bis zur verlassenen Einöde.

Kathragrub

Erstnennung 1339
Luftbild Tal nach Kathragrub mit Regenbogen
Blick ins Tal nach Kathragrub (Foto: Dr. Otmar Fugmann · www.flugmann.de) – Links unten das Sportgelände des SV Knellendorf, dort wo sich die Haßlach biegt, die ehemalige Walkmühle. Rechts neben der Ortsstraße nach Kathragrub die Petersleite. Weiter hinten, zwischen dem Alten Schlossberg links, dem Kienberg rechts und dem Diemitzberg im Westen, versteckt zwischen Erlesbach und Geiersbächlein, liegt die Katergrube – heute Kathragrub.

Kathragrub ist ein kleiner, stiller Weiler, der allseits von bewaldeten Hügeln des Frankenwalds umgeben ist. Er liegt am Erlesbach, der in seinem Unterlauf auch Geiersbächlein genannt wird und als rechter Zufluss in die Haßlach mündet. Eine Straße, einst ein schmaler Anliegerweg, verbindet Kathragrub mit Knellendorf, das nur 1,6 Kilometer westwärts liegt.

Was Kathragrub so besonders macht, ist nicht seine Größe – sondern seine Geschichte, die weit ins Mittelalter zurückreicht.

Die mittelalterliche Urkunde von 1339

Pergamenturkunde des Klosters Langheim 1339
Pergamenturkunde vom 8. Juli 1339 – aufbewahrt im Bamberger Staatsarchiv. Die älteste bekannte Erwähnung von Kathragrub (damals „Katergrube"). Zu sehen sind die beiden originalen Wachssiegel an Pergamentstreifen.
Urkunde · 8. Juli 1339

„Ich Herman Hainer von Cranach bekenne, dass ich um der Misshelligkeiten zwischen Closter Langheim und mir wegen Guten zu katergrube, darauf ich ward geworfen …"

Im Jahr 2019 wurde Kathragrub 680 Jahre alt – zumindest was seine urkundliche Ersterwähnung betrifft. Die älteste bekannte Quelle ist eine Pergamenturkunde des Klosters Langheim vom 8. Juli 1339, die im Bamberger Staatsarchiv aufbewahrt wird. Darin bekennt Herman Hainer von Cranach, dass er Streitigkeiten mit dem Kloster Langheim um Güter zu „Katergrube" beilegt.

Der Name des Ortes – früher Katharagrub – wird in der Knellendorfer Ortschronik auf eine im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Katharinengrabkapelle zurückgeführt. Namenspatin ist die heilige Katharina von Alexandrien, eine der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche, die als Märtyrin verehrt wird und zu den vierzehn Nothelfern zählt.

Vom Klostergut zur Einöde

Ehemaliges Bauernhaus Familie König in Kathragrub
Das ehemalige Bauernhaus in Kathragrub, zuletzt bewohnt von Familie König.

Im Dreißigjährigen Krieg erlebte Kathragrub eine Tragödie: Am 19. Mai 1632 wurde der Weiler von sogenannten „Culmachischen Völkern" – protestantischen Soldaten – vollständig niedergebrannt. Was blieb, musste mühsam wieder aufgebaut werden.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kathragrub aus lediglich zwei Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit übte das bambergische Centamt Kronach aus; Grundherr beider Halbhöfe war das Kloster Langheim – jene Institution, die bereits in der Urkunde von 1339 eine zentrale Rolle gespielt hatte.

Mit dem Bayerischen Gemeindeedikt wurde Kathragrub 1808 dem Steuerdistrikt Gundelsdorf und 1818 der Ruralgemeinde Knellendorf zugewiesen. Am 1. Juli 1971 kam der Weiler im Zuge der Gebietsreform in Bayern schließlich zur Kreisstadt Kronach. Der Ort war römisch-katholisch geprägt und nach St. Johannes der Täufer in Kronach gepfarrt.

Das stattliche ehemalige Bauernhaus – zuletzt bewohnt von Familie König – zeugt noch heute vom bäuerlichen Leben in diesem abgelegenen Tal.

Kapellen und Pilgerwege

Marienkapelle (Wicklein-Kapelle) in Kathragrub
Die Marienkapelle in Kathragrub – auch Wicklein-Kapelle genannt.
Wegkapelle am Wegesrand nach Kathragrub
Die Wegkapelle am Wegesrand nach Kathragrub.

Der Glaube hat in Kathragrub tiefe Spuren hinterlassen. Die Marienkapelle im Ort – auch Wicklein-Kapelle genannt – wurde 1912 von Maria Wicklein erbaut und 2012 umfassend generalsaniert. Sie ist bis heute das Ziel des alljährlichen Bittganges der Knellendorfer im Mai und ein stiller Ankerpunkt des Dorflebens.

Die kleine Kapelle am Wegesrand nach Kathragrub wirkt bescheiden und ist dennoch ein Idyll, das zum Gebet und Verweilen einlädt. Ihre Errichtung geht wohl bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Die jetzt fast 400 Jahre alte Kapelle könnte die Nachfolgerin der ursprünglichen, vielleicht schon im Jahr 1339 erbauten Katharinen-Grab-Kapelle sein.

Einwohnerentwicklung

Die Bevölkerungszahlen spiegeln die Geschichte eines kleinen Weilers wider: Blüte, Verwüstung, Wiederaufbau – und schließlich eine stetige Abwanderung in die Städte.

📊 Einwohnerzahlen Kathragrub

1818
22
1824
27
1861
15
1871
15
1885
24
1900
12
1925
14
1950
37
1961
22
1970
12
1987
9
~2015
0

Der auffällige Anstieg auf 37 Einwohner im Jahr 1950 erklärt sich durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem ist die Einwohnerzahl kontinuierlich gesunken. Seit etwa 2015 ist Kathragrub unbewohnt – der Weiler ist heute eine der stillsten und verlassensten Ecken der Knellendorfer Gemarkung.

Wer das Tal besucht, kann von Kathragrub aus weiter zum Alten Schloss wandern – einem sagenumwobenen Ort, der die Geschichte der ganzen Region in sich trägt.

🔗 Kathragrub auf Wikipedia
🏰
Das Alte Schloss
Eine geheimnisvolle Turmhügelburg im Wald – Zuflucht vor Raubrittern und stummer Zeuge vergessener Zeiten.

Das Alte Schloss

Eine mittelalterliche Motte · Erbaut vor dem 13. Jahrhundert
Turmhügel des Alten Schlosses bei Kathragrub
Der Turmhügel des Alten Schlosses – Noch heute erhebt sich der künstlich aufgeschüttete Hügel deutlich erkennbar aus dem Waldboden. Im Vordergrund die Senke des ehemaligen Wassergrabens. Foto: Wolfgang Baumann

Wer von Kathragrub aus den Waldweg nach Südwesten folgt, stößt an der Grenze der Knellendorfer Gemarkung auf einen unscheinbaren Ort – und doch einen, der Geschichten erzählen könnte, wenn Erde und Bäume sprechen könnten.

Hier, wo sich die Linien zwischen der Heunischenburg und Haig, zwischen Kaltenbrunn und Kathragrub fast exakt kreuzen, erhebt sich ein künstlicher Hügel aus dem Waldboden. Fünfzehn Meter im Durchmesser, vier Meter hoch – umgeben von einem breiten, tiefen Graben, durch den einst das Wasser des Erlesbachs floss. Das Alte Schloss, wie die Einheimischen sagen.

Was ist eine Motte?

Bis weit ins 13. Jahrhundert hinein bestanden viele Burgen nicht aus Stein, sondern aus Holz. Ein aufgeschütteter Erdhügel, darauf ein hölzerner Turm, ringsum ein Wassergraben und Palisaden – das war eine sogenannte Motte, auch Turmhügelburg genannt. Der Begriff stammt aus dem Französischen: château à motte, wobei „Motte" so viel wie „Erdklumpen" bedeutet.

Diese Anlagen waren keine prächtigen Ritterburgen, sondern Schutzbauten des niederen Adels – oder Fluchtburgen für die Bevölkerung in Zeiten der Not. Rapunzel ließ hier sicherlich nicht ihr Haar vom Turm herunterhängen. Eher suchten die Bewohner Knellendorfs vor Hunderten von Jahren hier Schutz vor marodierenden Truppen oder Raubrittern.

Blick auf den Turmhügel durch den Fichtenwald
Der Hügel zwischen jungen Fichten – die Mulde im Vordergrund ist der alte Burggraben. Foto: Wolfgang Baumann
Der Burghügel mit Laub bedeckt
Der Burghügel unter Buchen – deutlich sichtbar die Steilheit des künstlich aufgeworfenen Walls. Foto: Wolfgang Baumann

Ein Ort ohne Urkunde

Urkundliche Belege für das Alte Schloss fehlen. Wer hier lebte, wer hier Zuflucht suchte, wann der Holzturm errichtet und wann er verlassen wurde – all das liegt im Dunkel der Geschichte. Die Begriffe „Schloss" und „Burg" hatten ursprünglich eine ähnliche Bedeutung, unabhängig von der Größe einer Anlage. So wurde die abgelegene Kathragruber Fliehburg schlicht als Altes Schloss bezeichnet – und der Hügel dahinter trägt bis heute den Namen Alter Schlossberg, eingeklemmt zwischen dem Rotschreuther Berg und dem Diemitzberg.

Im Landkreis Kronach sind noch weitere solcher Turmhügelburgen dokumentiert: bei Seibelsdorf (Marktrodach) und bei Weißenbrunn. Doch die meisten sind längst verschwunden – überbaut, eingeebnet, vergessen. Das Alte Schloss bei Kathragrub aber hat überdauert, still und verborgen im Wald.

So könnte es ausgesehen haben

Rekonstruierte Turmhügelburg in Lütjenburg
Rekonstruierte Turmhügelburg in Lütjenburg (Schleswig-Holstein) – Im holsteinischen Lütjenburg wurde eine mittelalterliche Motte originalgetreu nachgebaut. Der hölzerne Wehrturm auf dem Erdhügel, der Wassergraben, die Holzbrücke – so ähnlich könnte es auch am Alten Schloss bei Kathragrub ausgesehen haben. Foto: Rainer Baumann

Um sich ein besseres Bild von solchen Turmhügelburgen machen zu können, lohnt ein Blick nach Schleswig-Holstein. In Lütjenburg – der Name bedeutet „kleine Burg" – wurde seit 2003 eine mittelalterliche Motte rekonstruiert, in enger Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt. Auf einem drei Meter hohen Hügel thront ein palisadengeschützter Wehrturm aus Eichenholz, umgeben von einem Wassergraben und einer Vorburg mit Schmiede, Gesindehaus und Kapelle.

Die Anlage zeigt, wie bescheiden und doch wehrhaft diese frühen Burgen waren. Allein im Kreis Plön sind über 40 solcher Turmhügelburgen nachgewiesen – und in ganz Schleswig-Holstein über 400. Das Alte Schloss bei Kathragrub war vermutlich eine der kleineren Anlagen, aber für die Menschen der damaligen Zeit ein Ort der Sicherheit in unsicheren Zeiten.

„Zwischen dem Rotschreuther Berg und dem Diemitzberg thront der Alte Schlossberg. Urkundliche Belege fehlen. Doch wer an einem Sommerabend durch den stillen Wald wandert und den Hügel sieht, der kann sie fast hören – die Stimmen derer, die hier einst Schutz suchten."

🦄
Das Einhorn über Knellendorf
Wo heute Gärten und Häuser stehen, saß einst ein fränkischer Ritter – Hans von Waldenfels, der sich stolz „zu Knellendorf" nannte.

Das Einhorn über Knellendorf

Die Ritterfamilie von Waldenfels · 15. Jahrhundert
Wappen derer von Waldenfels – Scheiblersches Wappenbuch
Wappen derer von Waldenfels – silbernes springendes Einhorn auf Blau, gekrönter Helm.
Scheiblersches Wappenbuch, ca. 1450–1480.

Ein Ritter kommt ins Tal

Irgendwo an der heutigen Dorfmitte stand einmal ein Herrensitz. Kein mächtiges Schloss, eher ein stattliches Ritterhaus mit Graben und Zaun – aber Beweis genug, dass Knellendorf im 15. Jahrhundert Sitz eines Adligen war, der sich stolz nach dem Dorf benannte. Hans von Waldenfels zu Knellendorf: So firmierte er in den Urkunden der Zeit.

Die Familie von Waldenfels gehörte zu den bedeutendsten fränkischen Rittergeschlechtern. Ursprünglich aus Wallenfels im Rodachtal stammend – nur wenige Kilometer von hier –, dienten sie den Andechs-Meraniern als ritterliche Gefolgsleute. Seit 1248 urkundlich belegt, verzweigten sich ihre Linien im 14. und 15. Jahrhundert über ganz Oberfranken: Lichtenberg, Burghaig, Fischbach, Schmölz – überall hinterließen die Waldenfels ihre Spuren.

Knellendorf als Herrensitz

Urkunde · vor 1449

„Hans von Waldenfels, gesessen zu Knellendorf" – so erscheint er, als er von seinen Vettern, den Herren von Lichtenberg, einen lehenbaren Anteil erwarb und Knellendorf damit zu seinem Wohn- und Herrschaftssitz machte.

Die Herren von Lichtenberg, Verwandte der Waldenfels, hatten zuvor Anteile an Knellendorf gehalten. Vor 1449 übertrug Hans diesen Besitz und wurde damit zum Herrn des Ortes: Er wohnte hier, hielt Gericht, zog Abgaben ein – und ließ wohl das Ritterhaus errichten, das die Überlieferung nahe der heutigen Dorfmitte verortet.

Was genau dort stand, wissen wir nicht mit Sicherheit. Der Begriff „Schloss" oder „Feste" bezeichnete damals schlicht den befestigten Wohnsitz eines Ritters – oft ein stattliches Fachwerk- oder Steingebäude mit Graben. Nichts davon ist heute noch sichtbar. Die Häuser der Dorfmitte haben den Platz des mittelalterlichen Herrensitzes längst überbaut.

Das silberne Einhorn

Das Wappen der Waldenfels zeigt ein springendes silbernes Einhorn auf blauem Grund. Auf dem gekrönten Helm erscheint das Einhorn ein zweites Mal, die Helmdecken in Blau und Silber. Das Einhorn stand im heraldischen Verständnis für Reinheit, Stärke und Unbezwingbarkeit – ein Selbstbild, das zum Auftreten dieser selbstbewussten Ritterfamilie passte.

Das Waldenfelser Einhorn ist bis heute in mehreren fränkischen Gemeindewappen zu finden – ein stilles Zeugnis der Macht, die diese Familie einst in der Region ausübte. In Oberfranken sieht man es noch an Kirchen, Schlössern und Grabmälern.

Der Abschied von Knellendorf

Die Verbindung von Hans von Waldenfels mit Knellendorf währte nur eine Generation. Ab etwa 1460 nannte er sich nicht mehr nach dem kleinen Haßlachdorf, sondern nach Fischbach – und begründete damit die sogenannte Fischbacher Linie der Familie. Was ihn zum Wegzug bewog, ist nicht überliefert. Sein Sohn Balthasar trug 1502 den Fischbacher Besitz dem Bistum Bamberg zu Lehen auf und festigte damit die rechtliche Einbindung der Waldenfels-Güter in die bambergische Lehensstruktur.

Knellendorf kehrte in die Stille zurück. Das Ritterhaus verfiel oder wurde umgebaut, der Herrensitz vergessen. Geblieben ist nur die Urkunde.

🔗 Waldenfels (Adelsgeschlecht) auf Wikipedia
Die stillen Wächter des Dorfes
Vier Kapellen, vier Familien, vier Geschichten – wie Knellendorf seinen Glauben in Stein und Kalk fasste.

Die stillen Wächter des Dorfes

Wegkapellen und Privatkapellen in Knellendorf

Wer durch Knellendorf geht und die Augen aufhält, dem begegnen sie an Wegrändern, in Gärten und am Waldrand: kleine Kapellen, oft nicht größer als ein Schuppen, aber mit einer Würde, die größere Bauten selten haben. Sie wurden nicht von Fürsten gestiftet oder von Bischöfen geweiht – sondern von gewöhnlichen Dorfbewohnern, die sich in einem Augenblick der Not, der Dankbarkeit oder der tiefen Frömmigkeit entschlossen: Hier soll ein heiliger Ort entstehen.

In Franken ist die Tradition der privaten Weg- und Votivkapellen tief verwurzelt. Einzelpersonen, Familien oder Dorfgemeinschaften errichteten sie aus Dankbarkeit oder infolge eines Gelübdes. Oft war es ein überstandenes Unglück, eine Krankheit, ein Tod im Krieg oder einfach der Wunsch, dem eigenen Hof und der Familie Gottes Schutz zu sichern. Die Kapellen Knellendorfs erzählen genau von diesem Glauben – einem ganz persönlichen, gebauten Glauben.

Vier Kapellen – vier Geschichten

Kapelle am Bierberg, Knellendorf
Kapelle am Bierberg – schlicht verputzt, weißgetüncht, mit Kreuz über der Tür. Eine Wegkapelle am Waldrand, die in ihrer Stille kaum auffällt und doch jeden Vorbeigehenden anspricht.
Kapelle der Familie Engelhardt, Knellendorf
Kapelle der Familie Engelhardt – das kunstvolle Schmiedeeisengitter vor der Rundbogenöffnung zeugt von besonderem Aufwand und besonderer Hingabe der Stifterfamilie.
Wegkapelle der Familie König, Knellendorf
Wegkapelle der Familie König – aus Sandsteinquadern gefügt, mit rundbogigem Portal. Diese Kapelle am Weg nach Kathragrub ist eines der ältesten steinernen Kleindenkmale der Gemarkung.
Kapelle der Familie Wich, Knellendorf
Kapelle der Familie Wich – der spitzbogige Eingang verleiht ihr einen fast gotischen Charakter. Ungewöhnlich für eine Dorfkapelle und Zeugnis für den Sinn für Würde ihrer Erbauer.

Was eine Kapelle bedeutet

Das Wort Kapelle kommt vom lateinischen cappa – dem Mantel des heiligen Martin von Tours, dessen Hälfte die Merowingerkönige als Reichsreliquie mit sich führten. Der Ort, an dem dieser Mantel aufbewahrt wurde, hieß capella – und so wurde aus einem Reliquienraum ein Wort für alle kleinen Sakralbauten der Christenheit.

In einem Dorf wie Knellendorf, das zur Pfarrei St. Johannes der Täufer in Kronach gehörte, waren Privatkapellen mehr als religiöse Dekoration. Sie markierten das eigene Anwesen als gottgeweihten Ort, schützten – so glaubte man – vor Blitz, Feuer und Seuche. Wer eine Kapelle baute, zeigte Gottvertrauen und sozialen Rang zugleich.

Viele dieser kleinen Bauten entstanden nach Kriegen oder Katastrophen. Knellendorf war im Dreißigjährigen Krieg zweimal niedergebrannt worden – 1632 durch die Truppen Herzog Johann Casimirs von Coburg. Was danach wieder aufgebaut wurde, trug oft eine neue Kapelle: als Dank, als Bitte, als steinernes Gedächtnis.

Stein gewordener Glaube

Wegkapelle König am Weg nach Kathragrub
Die Sandsteinkapelle am Weg nach Kathragrub.

Die Sandsteinkapelle der Familie König am Weg nach Kathragrub ist unter den Knellendorfer Kapellen wohl die älteste. Ihr Mauerwerk aus sorgfältig gefügten Quadern und das rundbogige Portal weisen auf eine Bauzeit weit vor dem 20. Jahrhundert hin. Entlang dieses Weges führt auch der alljährliche Bittgang der Knellendorfer zur Wicklein-Kapelle in Kathragrub – die Kapelle der Familie König ist eine seiner stillen Stationen.

Ganz anders die Kapelle der Familie Engelhardt: Hier macht das aufwendige Schmiedeeisengitter im Eingang auf sich aufmerksam – ein Handwerkszeugnis aus einer Zeit, als Kunsthandwerk noch Bestandteil des frommen Ausdrucks war. Das Gitter schützt und öffnet zugleich: Man sieht den Altar, aber man tritt nicht ein – eine Andeutung des Heiligen hinter einer eisernen Schwelle.

Die Kapelle der Familie Wich fällt durch ihren spitzbogigen Eingang auf – eine Form, die man eher in gotischen Stadtkirchen als in fränkischen Dorfkapellen erwartet. Sie erinnert daran, dass auch einfache Leute ihre Andacht mit Würde und Formgefühl auszudrücken wussten.

Gepflegt von Generationen

All diese Kapellen existieren heute noch – ein Zeichen dafür, dass sie nie vergessen wurden. Sie werden von Familien und Nachbarn gepflegt, gestrichen, mit frischen Blumen versehen. Wer in Knellendorf aufgewachsen ist, kennt sie seit Kindertagen. Wer neu ins Dorf kommt, entdeckt in ihnen eine Schicht des Ortes, die kein Schild erklärt: die Schicht des alltäglichen, gelebten Glaubens über Generationen.

In einer Zeit, in der Sakralbauten oft leer stehen, ist das Fortbestehen dieser kleinen Kapellen ein stilles, aber beredtes Zeichen. Sie brauchen keinen Pfarrer und keinen Gottesdienst – sie sind selbst das Zeichen.

Das Heifatuotla
Fünf Uhr morgens, stockdunkel, die Haßlach rauscht – und Knellendorf treibt den Tod aus.

Das Heifatuotla

Der Knellendorfer Brauch des Todaustreibens am Lätare-Sonntag

Ein uralter Brauch

Mitten in der Fastenzeit, am vierten Sonntag vor Ostern, wenn die Tage wieder länger werden und der Frost seine Macht verliert, begehen viele Orte in Franken, Thüringen und Schlesien seit Jahrhunderten ein eigenartiges Fest: das Todaustreiben. In Knellendorf trägt dieser Brauch seinen eigenen, unverwechselbar fränkischen Namen – das Heifatuotla.

Der Brauch ist uralt. Seine Wurzeln reichen weit in die vorchristliche Zeit zurück, als der Übergang vom Winter zum Frühling als ein kosmischer Kampf verstanden wurde – zwischen dem Tod und dem Leben, zwischen Kälte und Wärme. Mit dem Aufkommen der Pest im 14. Jahrhundert gewann das Todaustreiben eine neue, düstere Bedeutung: Die Strohfigur, die man ins Wasser warf oder verbrannte, war nun auch ein Abbild des Schwarzen Todes selbst, den man symbolisch aus dem Dorf trieb.

So entstand das Heifatuotla

In Knellendorf beginnt das Heifatuotla bereits am Samstag vor dem Lätare-Sonntag. Die Schulbuben ziehen von Haus zu Haus durch das Dorf und sammeln Lumpen. Die älteren Knaben nageln derweil aus dünnen Latten ein Kreuz von etwa 1,80 Meter Höhe zusammen. Dieses Kreuz wird mit den gesammelten Lumpen umwickelt und mit Stroh ausgestopft – bis eine menschliche Gestalt entsteht.

Das Heifatuotla stellt die Person dar, die als letzte im vergangenen Jahr im Dorf gestorben ist – eine Verkörperung des Todes, den man nun gemeinsam aus der Gemeinschaft der Lebenden hinaustreibt.

Fünf Uhr morgens – der Auszug

Am Sonntag früh, noch im Dunkel gegen fünf Uhr, tragen die Jungen das Heifatuotla durch das stille Dorf. Was sie dabei in die Nacht hineinrufen, ist kein Hochdeutsch – es ist das pure, raue Knellendorfer Fränkisch:

Der Knellendorfer Ruf · Lätare-Sonntag

„Huoch auf, huoch auf, troung mes Heifatuotla naus;
häitt mes niä nausgetroung, wö es ganze Knellndorf verlorn!"

Frei übersetzt: „Hoch auf, hoch auf, tragen wir das Heifatuotla hinaus – hätten wir es nicht hinausgetragen, wäre ganz Knellendorf verloren!"

Dieser Ruf wird vor der Haßlach noch zweimal geschrien. Dann wird das Heifatuotla in den Fluss geworfen. Der Tod ist ausgetrieben. Das Dorf ist gerettet.

Nach der Messe: Sammeln und Feiern

Doch das Fest ist noch nicht vorbei. Nach dem Gottesdienst ziehen die Buben erneut durch das Dorf – diesmal um Gaben bittend. Vor jedem Haus rufen sie ihren Sammelspruch:

Der Sammelruf der Buben

„Eierla, Dreierla, Butterla, Mehl;
Saolz, Schmaolz, Milich und Geld!"

Während die Buben sammeln, backt eine Frau im Dorf den „Arma Mo" – einen herzhaften Auflauf aus den zusammengetragenen Zutaten. Kaffee wird gekocht. Die Kinder beten in der Stube den schmerzhaften Rosenkranz. Dann wird gemeinsam und um die Wette gegessen – und was übrig bleibt, erhalten die „Mala".

Ein Brauch, der überdauerte

Das Todaustreiben war einst über ganz Franken, Thüringen, Sachsen und Böhmen verbreitet. In vielen Orten erlosch es im 18. oder 19. Jahrhundert – mancherorts nach Unfällen, mancherorts einfach durch das Vergessen. In Knellendorf hat es sich erhalten: mit eigenem Namen, eigenem Ruf, eigener Form. Das Heifatuotla ist kein museales Schaustück, sondern ein lebendiges Stück Dorfgedächtnis – die Gewissheit, dass der Frühling kommt, wenn man ihm nur laut genug entgegenruft.

🔗 Todaustragen auf Wikipedia

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